Schweigeminute

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FODAG

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Schweigeminute
« am: 22. November 2015, 16:06:08 »
Auch von Euch hätte ich gerne eine Meinung :

http://www.diefussballecke.de/index.php?id=6222

Das würde dann auch nächsten Freitag betreffen.Ich möchte das mal zur Diskussion stellen:

" Darf man sich Schweigeminuten vorschreiben lassen,oder sollte man Anteilname eigenständig gestallten?"

Zitat aus Spiegel-Online-Forum :
#25 Heute, 15:09 von walter_de_chepe
Verordnete Trauer

Ich lasse mir meine Trauer nicht von oben verordnen, vor allem nicht wenn die da oben von ihrem Versagen ablenken wollen.
Die PARTEI hat immer recht !

Re: Schweigeminute
« Antwort #1 am: 22. November 2015, 23:01:50 »
Da wir ja in recht kleinen Systemen zum Fußball gehen und es sich in dem Link nur um einen Aufruf handelt, kann das ja durchaus mit dem eigenen Verein abgesprochen werden. Insofern sehe ich erstmal kein Problem.

Der vorgeschlagene Text geht meiner Meinung schon deshalb nicht, da es in der letzten Woche (nicht einmal 24 Stunden zuvor) auch in Beirut Anschläge gegeben hat, die auch "Symbole des westlichen Lebensstils" zum Ziel hatten. Zudem gibt es seit Jahren den täglichen Terror, vor dem Millionen fliehen müssen. Warum wurde dem zuvor nicht gedacht? Und warum wird dem nicht jetzt zumindest "mitgedacht"?

Ich würde trotzdem fremden Menschen für ne Minute meine Anerkennung zollen. Wenn ich allerdings Texte wie gestern in der Sportschau ("Bei dieser Schweigeminute war es stiller als bei bisherigen - gut so!") höre, frage ich mich, was so eine Wertung soll.

Von Stammtischfloskeln, wie "die da oben" bin ich allerdings ein ganzes Sück entfernt.
*if the kids are united, they will never be divided*

Re: Schweigeminute
« Antwort #2 am: 23. November 2015, 03:10:21 »
Sehe ich ähnlich. Schweigeminuten sind – ähnlich wie Flaggen auf Halbmast – eine etablierte Methode, kollektive Trauer auszudrücken. Und sie werden in der Regel "von oben" angeordnet, schon alleine wegen der Koordination mit Stadionsprecher, Schiedsrichter, etc. Normalerweise respektiere ich das, wenn andere das Bedürfnis dazu haben. Ist ja kein Ding, mal eine Minute die Schnauze zu halten. Außer natürlich mir geht das Anliegen so sehr gegen den Strich, dass ich gerne dagegen protestieren möchte. Dazu müsste es sich dann aber schon um eine Schweigeminute zu Ehren Hitlers halten, oder so.

Bei Aue–Dresden wurde bspw. Berichten zufolge die Schweigeminute massiv durch "Merkel muss weg"-Rufe gestört. Ich bin zwar auch kein Merkelfan, bin mir aber recht sicher, dass ich mit diesen Leuten eher nichts zu tun haben möchte.

Auch aus der Türkei und Aserbeidschan(?) wurde gemeldet, es hätte bei den Länderspielen Pfeifkonzerte gegen die Schweigeminute gegeben. Da ist mir der Grund unbekannt. Kann natürlich sein, dass das alles Daesh-Sympathisanten waren. Kann aber auch sein, dass die Leute einfach ihr Unverständnis ausgedrückt haben, dass über tote EU-Bürger so ein Aufriss gemacht wird, während bspw. der Anschlag in Ankara vor ein paar Wochen, bei dem beinahe genauso viele Leute getötet wurden, in Europa kaum jemanden interessiert hat. Man weiß es nicht.

Fazit: Wenn du dir keine Schweigeminute "verordnen" lassen willst, also sie bewusst brechen, solltest du zumindest deine Gründe dafür kommunizieren um Missverständnisse zu vermeiden. Was die Umstehenden dann davon halten, wirst du ja mitkriegen.

BTW: Anhand der Mitteilung gehe ich ja davon aus, dass dieses Wochenende gemeint war ("…eine Woche ist vergangen…"). Hat sich also wohl sowieso erledigt.
"Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen." - Douglas Adams, Kap.1 "Das Restaurant am Ende des Universums"

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FODAG

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Re: Schweigeminute
« Antwort #3 am: 23. November 2015, 18:44:40 »
Zitat : BTW: Anhand der Mitteilung gehe ich ja davon aus, dass dieses Wochenende gemeint war ("…eine Woche ist vergangen…"). Hat sich also wohl sowieso erledigt.

Richtig!!!!!! Mir gehts aber auch ums Prinzipielle,das wird ja nicht das letzte mal gewesen sein.

Zitat : Wenn du dir keine Schweigeminute "verordnen" lassen willst, also sie bewusst brechen, solltest du zumindest deine Gründe dafür kommunizieren um Missverständnisse zu vermeiden. Was die Umstehenden dann davon halten, wirst du ja mitkriegen.

Wie willst Du denn das in dem Moment in Stadion kommunizieren?


Fazit : Ich denke eher,solche Aktionen dienen eher dazu den Zuschauern ein reines Gewissen zu bereiten,weil sie
sich möglicherweise vorher null Gedanken um Zusammenhänge gemacht haben.
Lichterketten sind auch so eine Sache.Erst wählen die Leute Parteien,die Waffenexporte befürworten und hinterher machen sie dicke Backen.
Die PARTEI hat immer recht !

Re: Schweigeminute
« Antwort #4 am: 23. November 2015, 19:10:55 »
Zitat : Wenn du dir keine Schweigeminute "verordnen" lassen willst, also sie bewusst brechen, solltest du zumindest deine Gründe dafür kommunizieren um Missverständnisse zu vermeiden. Was die Umstehenden dann davon halten, wirst du ja mitkriegen.

Wie willst Du denn das in dem Moment in Stadion kommunizieren?

Naja, du kannst rumpöbeln, eine Tapete malen, Flugblätter verteilen, whatever. Wenn du der einzige bist, der nicht schweigen möchte, bist du aber vielleicht etwas querulatorisch unterwegs.

Zitat
Fazit : Ich denke eher,solche Aktionen dienen eher dazu den Zuschauern ein reines Gewissen zu bereiten,weil sie
sich möglicherweise vorher null Gedanken um Zusammenhänge gemacht haben.

Eher ist es ein "Kompromiss" zwischen Spiel absagen und Business as usual. Wer eigentlich nicht unbedingt in Stimmung ist Spaß zu haben, tut durch die Schweigeminute dem Gedenken genüge und kann sich danach voll auf das Spiel konzentrieren.
"Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen." - Douglas Adams, Kap.1 "Das Restaurant am Ende des Universums"